Geschmack ist Erinnerung. Geschmack ist Herkunft. Geschmack ist Handwerk.

Gedanken zur Heimat des Geschmacks und zur Verwobenheit kulinarischen Erbes.

(Text: Angelika Deutsch)

Die Erinnerung von Geschmack schenkt Zugehörigkeit, sie katapultiert direttissima in die Kindheit. Und damit zur Herkunft. Der persönlichen zunächst, den familiären Geschmackswurzeln, die man im besten Falle in sich trägt, bis man vielleicht die Verknüpfung Herkunft = Handwerk entdeckt. Ein grenzenloses Vergnügen, das von mannigfaltigen Geschmacksträgern bestimmt wird. Von den bodenverhafteten Handwerkern, von den nimmermüden Spürhunden der raren Gewächse und was sonst so fleucht, kreucht, schwimmt, von den Erzählern des Besonderen im Einfachen. 

Kulinarische Frühprägung. Angelika Deutsch mit ihrer Mutter (Foto: privat)

Kulinarische Frühprägung. Angelika Deutsch mit ihrer Mutter (Foto: privat)

Speisen wiederum sind eine Sprache, sind eigene kulturelle Codes: kulturelle Prozesse und Zusammenhänge, die sich über Grenzen hinwegsetzen, fast schon als universell darstellen, sich weltgestreut finden. Wer erfand's? Das kann nicht die Frage sein, vielmehr scheint mir wesentlicher: wo entsteht's? wer macht's? Ob Tirtlan oder Piroggi, Krapfen oder Blattl'n - an der Art der Zubereitung wird man in die Zugehörigkeit zu einer Landschaft geführt, in eine wohlbekannte der engeren Zugehörigkeit, in die Erinnerung eben, oder aber in Neues, zu Entdeckendes, das in einen neuen Kanon von Erhaltenswertem aufzunehmen ist. Ein wenig "Glamour" ist damit vielleicht auch verbunden, das "Alte" wird für Junge attraktiver. Damit wird aber auch die Brisanz des politischen Charakters von Essen deutlich: was bewahre ich, worauf muss es uns heute ankommen, wenn wir schon von kulinarischem Erbe sprechen? Damit auch künftige Generationen ihre Erinnerung, den Geschmack der Erinnerung haben?