Die letzten ihrer Art. Oder: der Alpsanddorn aus dem Val Lumezia

Wildpflanzen, Wurzeln und in Vergessenheit geratene Wildbeeren erleben seit vielen Jahren insbesondere in der Spitzengastronomie ihre Wiederentdeckung. Es sind die leidenschaftlichen Produzenten, Landwirte und Wildpflanzenkenner die mit ihrer Arbeit dazu beitragen, dass der Geschmack des Terroirs wieder jenen Stellenwert erhält, der ihm zukommt. 
 

Zu ihnen gehört das Ehepaar Margot und Adolf Hartmann, die mit Hilfe ihrer beiden Esel in Graubünden und im Wallis den wilden Alpsanddorn ernten. Eine Pflanze, die im gesamten eurasischen Raum verbreitet ist, aber nur selten ihren Weg auch in die Höhen des Alpenraumes findet. 

Margot und Adolf Hartmann mit ihrem Alpsanddorn

Margot und Adolf Hartmann mit ihrem Alpsanddorn

Der Sanddorn gehört zur Familie der Ölweidengewächse. Man kennt ihn auch unter dem Namen Fasanenbeere oder Weidendorn. Die orangen, säurehaltigen Beeren werden von den Hartmanns zu ungesüßtem Sanddorn-Ursaft oder zu Sanddornsirup verarbeitet. In ihrem Heim in Trans, im kleinsten aller Domleschger Bergdörfer, produzieren sie auch Latwerge aus wildem Wacholder oder Melissen-Hagebuttensirup mit Früchten und Melisse aus dem Wallis. 

Hinter der Sanddornernte steckt viel Arbeit, die wilden Sanddornbüsche müssen gut gepflegt werden, so dass sie nicht von anderen Pflanzen verdrängt werden und sie auch im Folgejahr wieder genügend Beeren tragen. Zu diesem Zweck werden die üppigsten Äste regelmäßig herausgeschnitten und mitsamt den Beeren in Säcken verstaut, bevor sie auf dem Rücken der beiden Esel hinunter ins Tal gebracht werden. Anschließend werden die Beeren tiefgekühlt und erst kurz vor der Auslieferung gepresst und verarbeitet. Die Sanddornprodukte vertreibt das Ehepaar Hartmann insbesondere an viele langjährige Stammkunden und Sanddornliebhaber. Hartmanns sind die letzten Wildsanddornpflücker des Alpenraumes. 

Adolf und Margit Hartmann, 7407 Trans 

Text: Dominik Flammer  Bilder: Sylvan Müller